Schlutzkrapfen sind nicht gleich Schlutzkrapfen

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Das Ergebnis: Mit Spinat gefüllte Cajincí in einer Pfanne mit Butter und Datteltomaten geschwenkt
Mein Testleser Fabian Dombrowski wirft mir im Manuskript vor, ihm mit meinen Beschreibungen Hunger zu machen. Damit er also nicht nur Apfelstrudel nachbacken kann, recherchiere ich (selbstverständlich ganz gründlich!) zu Cajincí*, der ladinischen Variante der Schlutzkrapfen.
Mit Entsetzen – nein, mit großem Entsetzen stelle ich fest, dass es nicht so leicht ist, ein Rezept für Cajincí zu finden. Außerdem ist es mit den Schlutzkrapfen wie mit Kartoffelsalat oder Apfelstrudel. Es gibt nicht DIE richtige Variante.
Und so lande ich am Ende mit einem Rezept in der Küche, das mir per Vermittlung durch @suedtirol_info von @VGardena auf twitter zugespielt wird. Danke dafür!
Was ich am Ende nun sagen kann: Sie schmecken wirklich verdammt gut. Und wenn man das Ausrollen und füllen ein wenig übt, ist nicht einmal so viel Arbeit wie erwartet.
___
*Cajincí auf gadertalisch-ladinisch = Crafuncins auf grödner-ladinisch

Fin - fin

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Rund 15.000 Wörter/ 3 Kapitel sind nach der Überarbeitung auf der Strecke geblieben. 
Am Donnerstag, den 07. April 2016 um 21.10 Uhr geht die finale Manuskriptfassung raus. Nach Umbau sind übrig:

47 Kapitel
+ 1 Prolog
+ 1 Epilog
+ 1 Anhang
+ 1 Personenverzeichnis
+ 1 Nachwort und Danksagung
__________________________
= ein Roman

Und in nur vier Monaten müssen sich Elisa und Vito dem kritischen Urteil der Leserinnen und Leser stellen.

Ich habe gedacht, es würde mit jedem Buch leichter. Im Moment habe ich eher den Eindruck, das Gegenteil ist der Fall. Ich bin nervös.

Falsch.

Ich bin WAHNSINNIG NERVÖS!!!

The River

Nahe der vila fließt der Gaderbach. Wer bei „Bach“ allerdings an etwas friedlich Daherfließendes denkt, liegt schrecklich falsch – weshalb der ladinische Name „La gran ega“ = „das große Wasser“ viel treffender ist.

Im Buch werden zwei Hochzeiten gefeiert. Die erste findet 1913 statt, ist eine lustige Sache voller gutem Essen und humorvoller Bräuche. So muss der Bräutigam zusehen, dass er seine richtige Braut zum Altar führt und ihm keiner eine zahnlose Alte unterjubelt. Oder die sarades: Wegsperren aus Menschen, die kleine Aufgabe stellen und die das Paar auf dem Weg zur Kirche überwinden muss. Allenfalls das berechnete Geburtstermin des Kindes (sieben Monate – höchstens!) trübt ein wenig die Stimmung hinter den Kulissen, aber was soll’s?

Das zweite Paar heiratet im Mai 1917, mitten im Krieg. Es fehlt bereits an allem, Vorräten, Kleidung, guter Stimmung. Irgendwann kommt mir daher beim Schreiben Bruce Springsteens „The River“ in den Sinn. Dort heißt es sinngemäß übersetzt: „Wir gingen zum Standesamt und der Beamte erledigte alles. Kein Lächeln am Hochzeitstag, kein feierlicher Zug durch die Kirche, keine Blumen, Kein Hochzeitskleid.“

Eine traurige Angelegenheit – habe ich gedacht. Und dann passiert dieses wunderbar Magische, wie es die allermeisten Autoren schon einmal erlebt haben: Meine Hochzeitsgesellschaft denkt nicht daran, Trübsal zu blasen! Eine Hochzeit hat eine fröhliche Angelegenheit zu sein! Und so feiern sie diese Hochzeit ganz, ganz anders, als ich geplant habe.

Und nach der Feier endet sie am Gaderbach – ganz wie bei „The River“ – nur zum Baden ist es zu kalt.

Die "Lügenpresse"

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Ausschnitt aus "Der Tiroler" vom 08.09.1914 - die vollständige Zeitung ist im Digitalarchiv der Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann abrufbar

Was haben die Menschen im Gadertal über den Krieg gedacht? Es ist nicht so leicht, mit dem Wissen von heute herauszufinden, was die Menschen früher gewusst und geglaubt haben.

Ein Beispiel: Der obige Ausschnitt aus „Der Tiroler“ zeigt deutlich die Kriegspropaganda des damaligen Kaiserreichs: Die Aufgabe der Stadt Lemberg seitens der Österreicher wird als (freiwillige) strategische Operation dargestellt, weil man die Verluste der Zivilbevölkerung gering halten wollte. Es sei nur eine Frage von Tagen, bis Lemberg zurückerobert wurde. Heutzutage ist bekannt, dass die Österreicher nicht die geringste Chance gegen die anrückende russische Armee hatten. 

Die Zeitungen vermitteln Ruhm und Glorie. Sogar noch, als die ersten „maroden“ und verwundeten Soldaten von der Ostfront zurückkehren und von Massakern und tausendfachem qualvollen Tod berichten. Die Öffentlichkeit tut diese Augenzeugenberichte ab: Die Männer litten unter der Schande, nicht länger auf dem Schlachtfeld stehen zu dürfen, wären traumatisiert und daher nicht glaubwürdig. Erst als es mehr werden und Intellektuelle sich zu Wort melden, schwenken die Zeitungen allmählich um. 

Wer weiter lesen möchte: Die Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann hat ein großartiges Archiv südtiroler Zeitungen aufgebaut. Ich verwende hauptsächlich Informationen aus „Der Tiroler“ und „Pustertaler Bote“, die Zeitungen, die Elisa und Vito vermutlich gelesen hätten.

Das Archiv vermittelt einen großartigen Eindruck, ist wie ein Fenster in diese Zeit. Manche Tage lese ich mich fest, erfahre von der Hetze gegen Frankreich und Großbritannien, verstehe, welche Rolle der Papst und der italienische König (aus Sicht der Österreicher) spielen und glaube am Ende, die Sichtweise und den Informationsstand, den meine fiktiven Familien damals gehabt haben müsste, verstanden zu haben.

Kriegsbeginn

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Gepäck eines Kaiserjägers des 2. Regiments. Exponat im ladinischen Museum "Ciastel de Tor", Sonderausstellung "1914 – 1918 Jenseits aller Grenzen. Die Ladiner erzählen ihre Geschichte"

Der Erste Weltkrieg wird auch häufig der „Große Krieg“ genannt und als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet. Das Ausmaß dieses ersten „technisierten“ Krieges ist mir persönlich gar nicht so präsent gewesen – nach meiner Recherche erscheint es mir das schwer begreiflich: Erste Giftgaseinsätze, Maschinengewehrabteilungen, von denen eine einzige ganze Kompanien niedermäht – was passiert ist, denn die Taktik, die bis dahin auf dem Schlachtfeld angewendet wird, lautet: Auf breiter Front anstürmen und feuern, sobald man in Schussweite ist.

Nach der Kriegserklärung Ende Juni beginnt im August 1914 die Russlandoffensive. Elisa ältere Bruder Franz und Anton müssen dem Befehl des Kaisers Folge leisten. Auf Weigerung steht die Todesstrafe. 

Wir erging es ihnen damit? Gab es Euphorie? Hatten sie Angst? Waren sie schlicht pragmatisch? 

Anton Kastlunger ist zu dieser Zeit aktiv bei den Kaiserjägern. Welchen Wissenstand hat er? Wie entscheiden sich Mischi und Rudl, die sich beide freiwillig melden können? Tun sie es?

Und...Vito? Vito, soviel sei verraten, ist zu Beginn der Meinung, dass dieser Krieg ihn so recht nichts angeht. Das ändert sich erst, als Italien 1915 in den Krieg eintritt.

Wo liegt Galizien?

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Mit diesen tragbaren Öfen haben die Soldaten in kalten Nächten ihre Lager geheizt. Exponat im ladinischen Museum "Ciastel de Tor", Sonderausstellung "1914 – 1918 Jenseits aller Grenzen. Die Ladiner erzählen ihre Geschichte"

Das habe ich mich zu Beginn der Recherche gefragt. Dieses Galizien ist vor über einhundert Jahren Teil der Habsburger Monarchie. Und ein Land, mit dem ich mich nie beschäftigt habe und das gefühlt weit, weit weg ist, rückt plötzlich ganz nah: Galizien war einst der Name der Ukraine.

Während ich über die damaligen Schlachten lese, in denen Armeen „wie Unkraut“ vernichtet werden, herrscht ironischerweise dort, im Osten Europas, wieder Krieg.

Ich weiß nicht, wie oft ich beim Studium der alten Zeitungen gedacht habe: Mensch, haben die Menschen nichts dazugelernt? Wie habe ich glauben, hoffen können, in diesem Europa des 21. Jahrhunderts, wird es keinen Krieg mehr geben? Es ist ein trauriger Teil meiner Arbeit.

Freizeitbeschäftigung: Charpie zupfen

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Aufruf im Pustertaler Boten am 11. September 1914

Nach Kriegsbeginn im Sommer 1914 gibt es einen steten Bedarf an Verbandmaterial. Die Charpie wird von den Frauen „daheim“ gezupft, gesammelt und dann z.B. vom Roten Kreuz, in Säckchen verpackt.

Mich wundert es zu Beginn, dass in den Aufrufen explizit darauf hingewiesen wird, „mit reinen Händen zu zupfen“. Wird das Material nicht sterilisiert? Das Wissen und die Möglichkeiten bestehen zu dieser Zeit bereits. Wundbrand und Entzündungen sind dennoch an der Tagesordnung.

Eine Vermutung ist, dass die Fäden verklumpen/ filzen/ ihre Saugeigenschaften verlieren. 

Ich probiere das einfach aus: zerzupfe also ein Leinentuch, koche die Garnfäden einige Minuten ab und stelle fest: Sie sind so gut wie vorher. Ich vermute daher, dass man z.B. Bauersfrauen dazu „erziehen“ will, nicht aus dem Hühnerstall direkt zur Charpie überzugehen, sondern generell auf Hygiene zu achten. 

In den hochalpinen Stellungen, in denen das Verbandmaterial knapp wird, nimmt man übrigens Wollgras.

Istitut Micurá de Rü: Interview mit Veronica Craffonara Teil 2

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Veronica an ihrem Arbeitsplatz in der Biblioteca des Kulturinstituts

Im zweiten Teil unseres Interviews erzählt mir Veronica Craffonara von ihrer Mehrsprachigkeit, was sie gern liest und welche Dolomitensage ihr am besten gefällt

Hier geht es zum ersten Teil

Istitut Micurá de Rü: Interview mit Veronica Craffonara Teil 1

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Das Istitut und die Bibliothek in Sankt Martin in Thurn

Schon in meinem Debütroman „Hüter der Worte“ habe ich den Dolomiten als „Nordgebirge“ meiner fantastischen Welt ein literarisches Denkmal gesetzt. Auch ist es ein paar Lesern aus Österreich und der Schweiz nicht entgangen, dass meine Fantasy-Sprache auf dem Ladinischen beruht. Tatsächlich habe ich mich damals hemmungslos im Online-Wörterbuch des Istitut Micurá de Rü bedient und das Gadertalisch meinen Bedürfnissen angepasst.

So ist der Weg zum Istitut und seiner Biblioteca in San Martin nicht mehr weit, als ich „richtig“ angefangen habe, über die Ladiner und ihre Heimat zu recherchieren. Ein Riesendankeschön gilt daher Veronica Craffonara, die mich vom Beginn meiner Suche an und im Laufe der Monate mit zuverlässiger Begeisterung unterstützt hat.

Und da wir uns auch ein wenig angefreundet haben, liegt es nahe, Veronica zum Leben in und mit den „bleichen Bergen“ zu interviewen. 

Hier kommt Teil 1 unseres Interviews von September 2015, in dem es um das Leben oder das Fortkommen in den Bergen geht, und was sich in den letzten 100 Jahren geändert hat.

Weihnachten 1912

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Ein kleiner Schneemann, der einst sein kurzes Leben hinter der Seilbahnstation auf dem Pordoi erlebte

Nachträglich zu Weihnachten gibt es heute einen ersten kleinen Textschnippel, in der Elisa, ihr Vater und Mischi eine kurze Unterhaltung führen: über ein zurückliegendes Ereignis, das Anton betrifft und ein bevorstehendes Ereignis, in dem es um Franz geht. Rudl kommt nicht vor.

Der Zeitpunkt dieses Gespräches könnte exakt heute vor 103 Jahren stattfinden. Die Kastlungers haben zu Weihnachten keinen Tannenbaum, sondern einen Stubenaltar - was das ist, erfährt man ebenfalls in dem kurzen Ausschnitt.

Weihnachten 1912

Allen Leserinnen und Lesern einen guten Start ins neue Jahr!

Elisas Brüder Teil 2: Mischi und Rudl

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Eine original-Truhe aus dem Gadertal: Exponat im ladinischen Museum "Ciastel de Tor"; Die Anfertigung solcher Truhen waren ein wichtiger Nebenerwerb im 18. und 19. Jahrhundert; Sie wurden in den Tälern und bis nach Tirol verkauft.

Elisas dritter Bruder Michael, genannt Mischi ist in jeglicher Hinsicht ein „mittleres Kind“. Ihn trennen sechs Jahre (und damit Welten) von seinen beiden älteren Brüdern, denen er als kleiner Bub natürlich ständig hinterherläuft und drei, bzw. vier Jahre von seinen jüngeren Geschwistern Rudolf, genannt Rudl und Elisa. So fällt ihm die Rolle zu, auf seine jüngeren Geschwister aufzupassen, was er mal mit mehr, mal mit weniger Gleichmut tut.

Mischis Herz gehört drei Dingen: Den Bergen, dem Holzschnitzen und, als er älter wird, einem bestimmten Mädchen. Sein Vater nimmt ihn von Kindesbeinen an mit in die Werkstatt, wo er das Tischlern erlernt und in jeder freien Minute mit einem Schnitzmesser hantiert. Als er alt genug ist, darf er einen Winter lang zu den Meisterschnitzern ins Nachbartal Gröden in die Lehre. 

Dass sich mit seiner zweiten Liebe, den Gipfeln der Dolomiten Geld verdienen ließe, darauf bringt ihn Anton, kurz bevor der nach einem endgültigen Zerwürfnis mit dem Vater in die Welt hinauszieht: Anton ist überzeugt, dass im alpinen Tourismus eine wirtschaftliche Zukunft liegen könnte. Mischi findet Kontakt zu solchen Pionieren und lange Zeit ist sein sehnlichster Wunsch, lizensierter Bergführer zu werden. Doch da gibt es ein unüberwindbares Problem. Es ist nicht das einzige Mal, dass Mischi sich selbst im Weg steht. 

Und Rudl? Ja, Rudl läuft irgendwie so mit. So empfindet das Testleserin Prisca, als sie die ersten hundert Seiten gegenliest. Und das trifft es. Rudl spricht wenig, versucht, allem aus dem Weg zu gehen und nicht aufzufallen. Er hat panische Angst vor seinem Vater, der ihn wegen seiner Trotteligkeiten oft schlägt, bis der Knecht Albert Pacher bemerkt, dem Rudl sei kein Verstand einzuprügeln. (wobei das Schlagen von Kindern früher üblich und Josef Kastlunger nicht zimperlich ist). Einzig sein ältester Bruder Franz kommt mit ihm zurecht. 

Was genau mit Rudl los ist, weiß niemand. Aber den Müttern unter den LeserInnen fällt vielleicht Elisas extrem schwere Geburt ein. Sehr gut möglich, dass es schon bei Rudl Komplikationen gibt, die das Kind nicht unbeschadet überstanden hat.

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Elisas Brüder Teil 1: Franz und Anton

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Für Franz und Anton habe ich kein passendes Bild. Daher zwei Platzhalter-Murmeltiere

Ihre Brüder spielen in Elisas Leben eine wichtige Rolle. Dabei sind die beiden ältesten schon fast erwachsen, als sie beginnt, ihre Welt zu erkunden.

Der Erstgeborene und Hoferbe ist Franz Andreas, elf Jahre älter als Elisa und nach dem Kaiser sowie dem berühmten tiroler Volkshelden Andreas Hofer benannt. Franz ist ein in sich ruhender und freundlicher Charakter, der die Dinge nimmt, wie sie sind. Falls er sich über Politik und dergleichen Gedanken macht, spricht er nicht darüber.

Mit Franz teilt Elisa sich die äußerliche Erscheinung, beide schlagen mit eher schmalem und kleinem Wuchs, hellblondem Haar und grünblauen Augen nach der Mutter (Zum Glück vor allem für das Mädchen, wie ihr Vater häufiger bemerkt).

Nur elf Monate jünger als Franz ist Anton Josef, der den Namen seines verstorbenen Onkels trägt. Anton ist von kräftiger Statur, mit leicht gelocktem dunklen Haar und dunklen Augen. Er sieht seinem Vater extrem ähnlich, und vielleicht ist das schon ein Grund, warum es zwischen Vater und Sohn von Beginn an nicht funktioniert.

Anton ist aufsässig und ständig zu Streichen aufgelegt, im Grunde aber ein freundlicher Kerl. Als er älter wird, wird ihm die Heimat zu klein, er sucht Abwechslung und Abenteuer.

Franz und Anton sind in der Kindheit unzertrennlich, wobei Franz sich häufig schützend vor seinen Bruder stellen muss, wenn der wieder etwas ausgefressen hat. Dabei stellt sich gern heraus, dass die beiden gerade als Team hervorragend aufeinander eingespielt sind, und Franz vielleicht eines dieser berühmten stillen Wasser ist...

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Apfelstrudel

Echt lecker!

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Postkarte, die ich meinen Eltern mit "Nachback-Befehl" aus einem Urlaub geschickt habe.

Um es kurz zu machen: Das "richtige" Apfelstrudel-Rezept gibt es so sicher wie das "richtige" für Kartoffelsalat, Vanillekipferl, Gulasch, Lebkuchen, oder, oder, oder...

Gerade bei solchen alten Rezepten gibt es unzählige Varianten, Familien-Überlieferungen und Abwandlungen. Sofern es keinen "Erfinder" gibt, kann es auch kein Original-Rezept geben.

Bei meiner "Recherche" auf facebook (!) hatte ich aus einer Laune heraus behauptet, das "richtige" Rezept für Südtiroler Apfelstrudel wäre aus Mürbeteig mit Pinienkernen. Die daraus entstandene Diskussion ist hier nachzulesen.

Viel Spaß!

Zwischenstand Textarbeit

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Laut Zollpapieren 4,110 Kilogramm Geschichte - mit Widmung :-)

Am Wochenende bringt der Paketbote ein weiteres Buch, mit dem ich das ganze Jahr gearbeitet habe. Ich habe es zunächst über die Landesbibliothek Düsseldorf geliehen und Scans gemacht, aber nach der ganzen Zeit will ich es dann doch "in echt" mein Eigen nennen.

Für das Manuskript bzw. die Authentizität ist es ein wichtiger Baustein - und kommt meinem bereits erwähnten übersteigerten Hang zu Recherche und Realismus entgegen. Aus diesem Buch stammt beispielsweise die bei Elisas Vater erwähnte Landflucht aufgrund mehrerer Viehseuchen in den 1880ern.

In der Zwischenzeit erfährt der Text eine dramatische Veränderung. Ca. 90 Seiten werden am Anfang weggekürzt. Das fühlt sich an wie eine Amputation, wie mein Kollege Bernhard Hennen einmal treffend bemerkt hat.

Dieses Mal ist es aber meine freie Entscheidung (anders als bei meinem Debütroman "Hüter der Worte", wo die fehlenden Teile heute noch Phantomschmerz verursachen.) und keine, die aus formalen Zwängen oder verlagsseitigen Vorgaben resultiert.

Die Seiten sind Ballast, stören, sind - ganz hart gesagt - überflüssig. Drei von fünf Testlesern haben das Gefühl, dass die Geschichte erst auf Seite 90 anfängt.

Soll sie also. Weg mit dem Rest.

Elisas Mutter: Anna Pertinger aus Graz

Anna ist eine virtuose Apfelstrudelbäckerin - Über das "richtige" Rezept wird noch zu reden sein.

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Apfelstrudel aus einem dunklen Mürbeteig mit Vanillesoße und Pinienkernen auf der Scotoni-Hütte

Über Elisas Mutter erfahren die Leser im Buch sehr wenig. Das ist kein Zufall, sondern entspricht ihrem Naturell, im Hintergrund zu bleiben.

Anna Pertinger entstammt als drittes von vier Kindern einer aufstrebenden Arbeiterfamilie. Ihr Vater hat sich um die Jahrhundertwende als einer der ersten in den neu entstehenden Manufakturen beworben und wird schnell Vorarbeiter. Er bringt genug Geld nach Hause, und mit der klugen Wirtschaft der Mutter können beide ihren Kindern eine angemessene Schulbildung und kleine Freiheiten gewähren. Zum Beispiel dürfen die drei Töchter selbst entscheiden, wann und wen sie heiraten. So lässt Anna sich mit der Partnersuche Zeit, bleibt auch als Erwachsene in der großen Wohnung ihrer Eltern und sorgt als Näherin für ihr eigenes Auskommen.

Anna ist eine stille junge Frau, die lieber liest (und diesen Wissensdurst könnte ihre Tochter Elisa durchaus von ihr geerbt haben) oder handarbeitet (da schlägt Elisa gar nicht nach ihr), statt sich den Vergnügungen der Großstadt hinzugeben. Und so ist es vielleicht kein Wunder, dass sie sich in den zurückhaltenden ladinischen Wanderarbeiter verliebt, der ebenfalls nichts von Trubel wissen will und nicht gern unter fremden Menschen ist, sondern jeden Heller spart, um im fernen Südtirol eines Tages seinen Hof wieder aufzubauen.

Die beiden kommen sich schnell näher. Ein paar neidische Nachbarn werfen Josef bei seiner Partnerwahl Berechnung vor, weil Anna eine beträchtliche Mitgift mitbringt, mit der er schon ein Jahr später neues Vieh kaufen und sogar seinen Hof ausbauen kann, doch da ist nichts dran. Er liebt und verehrt seine Anna, die einen weit größeren Einfluss auf ihn hat, als beide sich je eingestehen würden. Und niemals hat er mehr Angst um sie als bei Elisas Geburt, die so schlecht verläuft, dass sogar ein Arzt hinzugerufen werden muss.

Anna bringt acht Kinder zur Welt, von denen drei schon als Kleinkinder sterben. Sie liebt natürlich alle, allerdings hat sie zu ihrer einzigen Tochter ein sehr besonderes Verhältnis. Und ihr heimlicher Liebling bleibt Mischi, ihr drittgeborener. Vielleicht, weil er in manchen Dingen seinem Vater am ähnlichsten ist.

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Elisas Vater: Josef Kastlunger

Die Zeit war prüde, aber auf einer Pfeife durfte es frivol zugehen...

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist es unter den Männern (und zum Leidwesen vieler zunehmend auch unter den Frauen) üblich zu rauchen. Eine solche Porzellanpfeife benutzt Josef Kastlunger (Exponat auf einer Ausstellung zum Großen Krieg im Gadertal; La Ila, September 2015)

Josef Ferdinand kommt 1855 als zweiter Sohn und sechstes von neun Kindern in Val Badia auf die Welt. Seine Eltern, Magdalena und Ojöp, stehen mit einem großen Hof wirtschaftlich gut da, so dass kein Kind, wie zu der Zeit üblich, als Knecht oder Magd in andere Täler geschickt wird. Das liegt unter anderem daran, dass Josefs Vater zu der Zeit beginnt, den Bauernhof stärker auf Milchwirtschaft umzustellen und den unergiebigen Ackerbau zunehmend vernachlässigt.

Als Josef ungefähr zehn Jahre alt ist, ereilt die Familie der erste Schicksalsschlag. In einem Winter sterben gleich drei Geschwister und seine Mutter an einer Masernepidemie. Die älteste Schwester übernimmt mit nur zwölf Jahren die Aufgaben der Mutter im Haus. Im folgenden Frühjahr brennt die halbe vila ab, der älteste Sohn und Hoferbe Anton kommt bei dem Versuch, das Vieh zu retten, ums Leben. 

Ojöp Kastlunger wagt einen ungewöhnlichen Schritt: Er verkauft einen Teil des Hofes an seinen Freund Rudolf Costa (= Vitos Großvater väterlicherseits), um Geld für eine größere majun und Vieh zu haben.

Lange Jahre geht es den Familien der vila gut. Rudolf Costa baut eine neue ciasa und hat für seine Familie ein bescheidenes aber ausreichendes Auskommen. 

Kaum hat Josef mit 26 Jahren als nun einziger Sohn den Hof übernommen, wird ihm die einst so fortschrittliche Entscheidung seines Vaters zum Verhängnis: Mehrere Viehseuchen vernichten die Lebensgrundlage der Familie. Als sein Vater 1885 stirbt, droht der Familie sogar Hungersnot.

Josef Kastlunger gibt, wie viele andere zu der Zeit, den Hof auf und zieht auf der Suche nach Arbeit in den Norden der Habsburgermonarchie bis nach Graz.
Von seinem Vater hat er das Schreinern und Tischlern gelernt. Viele Gebäudeteile in der vila sind aus Holz, es ist notwendig, sie instand zu halten und reparieren zu können. Die Anfertigung von Möbeln bringt im Winter zusätzliches Einkommen. Doch Josef hat auch eine Vorliebe für solche Arbeiten. Mit Fleiß und Geschick macht er sich einen Namen und verdient gutes Geld.
Und als er eines Sommertages auf dem Vordach eines Anwesens hockt und die Holzkonstruktion ausbessert, schaut er zufällig auf die Straße und erblickt das schönste Mädchen, das er jemals gesehen hat... 

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Eine Woche vor Ort

Das Mansukript ist fertig, aber für das Finetuning verbringe ich im September 2015 eine Woche vor Ort. Bevor ich mit dem Inhaltlichen fortfahre, hier sechs Fotos - täglich eins. So oder ähnlich könnte der Anblick der Fanes sein, der sich Elisa und Vito jeden Morgen bietet (da die beiden Familien Viehwirtschaft betreiben, würden sie vermutlich etwas früher aufstehen...).

Vito Roberto Costa, * 17. März 1896

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Statue von Vittorio Emanuele II. im Torre della Battaglia San Martin, einem Museum nahe Desenzano del Garda, das sich den Einigungskriegen Italiens widmet. 

Wenn ein Roman eine Liebesgeschichte sein soll, dann braucht es für Elisa natürlich einen „Love Interest“. Das ist Vito, der eines Tages mit seiner Familie in Elisas Dorf zieht.

Zunächst wächst Vito auf dem Weingut seines Großvaters (Nonno) Roberto Cancelletti in der Toskana auf, der Familie seiner Mutter. Sein Vater Jakob Costa hat in den 1880er Jahren das Heimatdorf in den Dolomiten verlassen, um im Süden sein Glück zu finden.

Schon bei Vitos Geburt wird ein Kompromiss geschlossen, der bezeichnend für das schwierige Verhältnis zwischen dem Patriarchen Cancelletti und seiner Tochter, beziehungsweise seinem Schwiegersohn ist: Vito soll nach Vittorio Emanuele II. benannt werden, dem ersten Regenten des jungen Königreichs Italien. Nun ist aber Vitos Vater Österreicher und eben diesen hat der italienische König bei seinem Einigungsbestreben Gebiete abgenommen.

Vitos Mutter Lucia vermittelt und aus Vittorio wird Vito. Lucia steht ihr gesamtes Leben zwischen ihrem Vater und ihrem Mann, den sie aus Liebe und unter Stand geheiratet hat. Sie opfert sich auf, doch am Ende wird ihr das nicht vergolten.

Zurück zu Vito. Er geht in Lucca zur Schule und will später in Pisa studieren. Man kann durchaus sagen, er ist mit den „goldenen Löffeln im Mund“ geboren. Er ist neugierig und interessiert sich für die Welt. Wenn er mit seinem Nonno den Hafen von Livorno besucht, kann er sich nie zwischen dem Anblick des Meeres und dem der großen modernen Dampfschiffe entscheiden.

Vitos Nachname Costa ist ebenfalls sehr typisch für das Gadertal (die eingedeutschte Variante ist Kostner) – und hier ergibt sich einer der frühesten Rechercheepisoden, die plötzlich Eigenleben entwickeln: Als ich meine liebe Freundin und Kollegin Prisca Lo Cascio nach ein paar typischen italienischen Nachnamen samt regionaler Zuordnung frage, stolpert sie über Costa und erklärt mir, dass dieser Name auch in Kampanien (Süditalien, Neapel) häufig vertreten ist.

Vito begegnet also einem Namensvetter aus dem tiefsten Süden. Und das gibt seiner Geschichte eine entscheidende Wendung.

Fin

Wörter zählen - ich liebe es :-)

Ziemlich genau am Sonntag, den 30. August 2015 um 23.32 Uhr ist die erste Rohfassung des Manuskriptes fertig.

 50 Kapitel
+ 1 Prolog 
+ 1 Epilog 
+ 1 Anhang
+ 1 Personenverzeichnis 
+ 1 Nachwort und Danksagung 
__________________________

= ein Roman

Jetzt fehlt nur noch die erste Überarbeitung, das Testlesen, das Lektorat und die finale Überarbeitung.

Nur noch.

*argh*

Der Handlungsort - Der Ort

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Vila Brach, Enneberg Pfarre - Bildrechte: Veronica Craffonara

Wie beim letzten Projekt „So finster, so kalt“ verlasse ich an dieser Stelle die Realität und kreiere einen fiktiven Ort ungefähr dort, wo das reale Dörfchen Stern* liegt. In der Nähe dieses Ortes liegt die ebenfalls fiktive Vila Kastlunger.

Eine vila ist eine kompakte Siedlungsform bestehend aus Wohnhäusern (den ciases) und Wirtschaftsgebäuden (den majuns) von 3-12 Familienverbänden; also ein Gehöft oder Weiler. Die vila des Romans besteht aus drei bzw. vier Familien. Der Name Kastlunger, ein eingedeutschter ursprünglich ladinischer Familienname (Costa Lunga), ist sehr typisch für das Gadertal – und wie bereits erwähnt der Familienname meiner Protagonistin.

In der vila leben und arbeiten die Menschen auf engstem Raum, teilen sich Arbeitsgerät und versorgen gemeinsam das Vieh. Wie wichtig diese Gemeinschaft ist, zeigt ein altes Sprichwort: „Ohne Verwandte kann man leben, aber nicht ohne Nachbarn.“.**

Die Versorgung ist weitgehend autark. In Elisas moderner ciasa gibt fließendes Wasser, jedoch keinen Strom. Und was sogar bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts archaisch anmutet, wird im Großen Krieg wortwörtlich überlebenswichtig, da die Bewohner sich mit ihren Gemüsegärten und Nutzvieh selbst versorgen können, wo andere hungern.

Elisa nutzt diese enge Gemeinschaftsstruktur gründlich aus, um ihre Familie und die Menschen, die ihr teuer sind, durch den Krieg zu bringen. Das wird ihr eines Tages allerdings zum Verhängnis...

Bis es jedoch dazu kommt, lernt sie erst einmal neue Nachbarn kennen: Jakob Costa, der nach Italien ausgewandert ist, um sein Glück zu finden, und seine Familie. 

___
*für die sprachlich ganz Interessierten: Ich habe bisher nicht herausgefunden, warum der deutsche Name des Ortes Stern lautet. Vielleicht, weil er an einer Kreuzung liegt (wobei es nur drei Richtungen gibt, keine sternförmige Anordnung der Straßen)? Auch der ladinische Name La Ila hat keine weitere Bedeutung, die italienische Bezeichnung La Villa könnte man mit etwas gutem Willen noch als Gehöft/ Ortschaft/ Siedlung oder ähnlich übersetzen (entsprechend der Bedeutung, die eine Villa im antiken römischen Sprachgebrauch hatte – womit wir wieder bei der Vila wären, zumal das ladinische keine Konsonanten-Dopplung kennt). Wer sich das wann und warum ausgedacht hat, bleibt im Dunkeln der sprachlichen Geschichte. 

** aus: Marco Forni, „Ladinische Einblicke“

Elisabetha Teresia Katarina Kastlunger, *29. November 1899

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Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern (1837-1898), Kaiserin von Österreich und Apostolische Königin von Ungarn
– Portrait von Franz Xaver Winterhalter (gemeinfrei via wikimedia commons)

Zum ersten Mal beginne ich den Roman mit der Geburt der Protagonistin. Sie ist die jüngste von insgesamt fünf Geschwistern und das einzige langersehnte Mädchen, womit ein Sonderstatus in der Familie bereits vorprogrammiert ist.

Elisa ist nach den habsburger Kaiserinnen Elisabeth (Sisi) und Maria-Theresia benannt, was zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in kaisertreuen Familien durchaus üblich war (im Grunde ist es auch heute noch so, nur dass Kaiser und Könige von Schauspielern oder Fußballstars abgelöst wurden...).

Sie selbst trägt diese Namen mit der entsprechenden Würde. So stellt sie sich auf den ersten Buchseiten einem Gast der Familie und damit auch den Lesern vor:

„Mein Name ist Elisabetha. Die Kaiserin hieß genau wie ich.
Aber du darfst Elisa sagen.“

Recherchematerial I

Das Buch ist, was der Titel sagt: Ladinische Einblicke von Marco Forni - meine "Bibel" zu Alltag und Bauernleben im Gadertal

Schon beim letzten Projekt "So finster, so kalt" bin ich, obwohl es sich um eine fantastischen Roman handelt, durch exzessive Recherche aufgefallen. Meine Lektorin nennt es ganz zu Recht übersteigerten Hang zum Realismus. Ich lege großen Wert auf Genauigkeit, jede Abweichung von den tatsächlichen Gegebenheiten fällt mir schwer.

Und während ich es für legitim halte, wahre Vorkommnisse zugunsten der Spannung aufzupeppen, fällt es Lesern andererseits sofort auf, wenn "wirklich" etwas nicht stimmt. So beginne ich zu recherchieren: Über das Bauernleben im Gadertal, über den Ersten Weltkrieg (was ziemlich einfach ist, denn Zeitungen und Internet sind gerade jetzt voll davon), über die politischen Zusammenhänge (die werde ich nicht groß ansprechen, keine Sorge!).

Es ist eine merkwürdige Sache: Zum Beispiel gibt es über das Mittelalter Berichte, Analysen, Ideen, letzten Endes bleibt diese Epoche jedoch fremd und man behält Abstand (Mal ehrlich: heutige Mittelaltermärkte sind eine ganz schön verklärte Idee dieser Zeit.).

Vom Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es dagegen Zeitungen, Bilder, zum Teil sogar noch mündliche Überlieferung (mit einer vermittelnden Generation, zum Beispiel, wenn meine Oma von ihren Eltern erzählt).

Eine Quelle, in der ich mich seit Beginn manchmal stundenlang festlese, die Landesbibliothek Dr. Friedrich Tessmann. Dort sind u.a. alle für mich relevanten Zeitungen digitalisiert. Hier zum Beispiel die Ausgabe der Zeitung der Tiroler mit dem berühmten Kaisermanifest, mit dem sich der Habsburger Kaiser Franz Joseph I. (ja, der mit der Sisi, die ist zu der Zeit aber schon verstorben) zu Kriegsbeginn an seine Völker wendet: Der Tiroler vom 30.07.1914

Mit andern Worten: Ich kann wortwörtlich lesen, was meine Protagonisten gelesen hätten, wenn sie wirklich gelebt hätte. Für mich als Autorin ist das eine ungewohnte Vorstellung.

Der Handlungsort – Die Region

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Regenbogen über den Wiesen bei La Ila (La Villa/ Stern)

Der Haupthandlungsort ist das Gadertal in Südtirol, auf Italienisch und Ladinisch Val Badia genannt. Die deutsche Übersetzung ist damit schon falsch, denn der namensgebende Fluss Gader heißt auf Ladinisch La Gran Ega, was mit Das Große Wasser zu übersetzen wäre. Badia bedeutet im Italienischen/ Ladinischen dagegen Abtei, womit die seltener verwendete Bezeichnung Abteital eigentlich die richtigere ist.

Verwirrend? Ja. Das hat mit der Geschichte dieser Region zu tun. Die Menschen im Gadertal sprechen bis heute Ladinisch, das im antiken Lateinisch wurzelt und (vielleicht - da scheiden sich schon die sprachwissenschaftlichen Geister) mit dem Räto-Romanischen verwandt ist.

Obwohl sowohl Deutsch (u. a. unter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia) als auch Italienisch (u.a. durch den italienischen Faschismus zwischen den Weltkriegen) seine Spuren hinterlassen hat, haben sich die ladinischen Sprachinseln bis heute gehalten.

Heute ist das Gadertal Teil der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino und Ladinisch als ethnische Minderheitensprache anerkannt. Ortsnamen sind in allen drei Sprachen angegeben und auf Wanderkarten findet sich ein wildes sprachliches Gemisch für die Namen der Berge, Täler und Seen.

Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich im Roman die ladinischen oder die damals offiziellen deutschen Ortsnamen verwende. Meine Protagonisten sprechen Ladinisch (hauptsächlich - dazu später) und ich streue einzelne ladinische Begriffe ein. Für die Ortsnamen wirkt es jedoch merkwürdig und stört teilweise sogar den Lesefluss.

Was Google denkt?

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Erfrischend kalt: der Valparola-See

Aktuell schreibe ich einige Kapitel, die sich im Winter 1915/16 zutragen. Dazu suche ich Informationen über Erfrierungen beziehungsweise darüber, was genau körperlich vor sich geht, wenn ein Mensch erfriert, wie schnell das geht, welche Gegenmaßnahmen möglich sind usw.

Das wäre alles nicht erwähnenswert, wenn im Reallife am Niederrhein nicht gerade (Juli 2015) eine Hitzewelle herrschen würde.

In solchen Moment stelle ich mir gerne vor, wie irgendwo ein „Alarm für seltsame Suchanfragen“ läutet und jemand verdutzt auf meinen Verlauf schaut...

Neubeginn

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Ein erster Blick...

Noch ungefähr ein Jahr wird es dauern, bis mein nächster großer Roman bei Droemer Knaur erscheint – Zeit, einen neuen Werkstattbericht zu beginnen.

Worum geht es?
Es ist eine Liebesgeschichte vor der Kulisse des Ersten Weltkrieges in den Dolomiten.
Also ein Frauenstoff :-) 

  • Geplante Erscheinung ist Ende des Frühjahrsprogramms 2016 
  • Der Umfang wird zwischen 600-700 Seiten liegen
  • Der Titel steht bereits fest, das Cover wird noch entworfen 
  • Das Buch erscheint unter dem Pseudonym Marie Buchinger 

Wie beim ersten Projekt-Blog werde ich in den nächsten Wochen über die Irrungen und Wirrungen bei der Recherche schreiben.

Viel Spaß!